AKtuelles

Von Welsen und Wäldern in den Leipziger Seen

Die Sterntaucher-Gruppe geht in voller Tauchausrüstung ins Wasser
Und tschüß: Die Sterntaucher tauchen mal wieder ab, diesmal in Leipzig.

Eine neunköpfige Sterntaucher-Delegation hat es im September zu einer Drei-Seen-Tour nach Leipzig verschlagen. Was unsere Taucherinnen und Taucher dort erlebt haben – davon berichtet Reiseleiter Roman in einer Reportage.

Tag 1

Entspanntes Treffen um 12 Uhr am Kulkwitzer See, Tauchbasis Delphin. Die Basis liegt im Park, direkt am See – und hat nicht gerade viele Parkplätze. Mit ein bisschen Geduld klappt aber alles. Marc nimmt uns in Empfang und erklärt, was man wo findet. Er weist uns darauf hin, dass gegen 15.30 Uhr einige Parkplätze frei werden sollten. Was haben nur alle mit den Parkplätzen?

Die Welse sind das Ziel

Alles aufgerödelt und ab ins Wasser. Unterwegs dorthin stellen wir fest, dass direkt am Ufer ein Flügel steht. Ein Mann begleitet uns sogar mit Musik ins Wasser. Peilung aufgenommen und ab ans Ziel – wir wollen die große Plattform erreichen, wo die Welse sein sollen. Es geht nur langsam voran: Es ist flach, es gibt nicht allzu viele Fische und die Sicht ist auch nicht gerade berauschend. Hinter der Kante geht es runter in die Kälte. Das Wasser wird ein bisschen klarer, aber von der Plattform ist weit und breit nichts zu sehen. Plötzlich taucht vor uns ein riesiger Tower auf. Er reicht von fünf bis 28 Metern Tiefe. Auf einer Seite ist er mit einem Netz bespannt. Allerdings: keine Welse. Doch dann blicken wir um die Ecke. Und da sind sie, die sanften Riesen: mindestens fünf. Einige unter uns zählen gar zehn. Der kleinste misst etwa einen Meter, der größte dürfte fast drei Meter lang sein.
Großer Wels liegt ruhig auf einer Unterwasserplattform im Kulkwitzer See
Die Welse ließen sich von uns nicht aus der Ruhe bringen. Wieso auch? Einige waren größer als wir.
Sie liegen auf den Plattformen und lassen sich von den Tauchern überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. Ein absoluter Volltreffer! Nach ausreichend Videos und tollen Eindrücken geht es zurück ans Ufer.

Parkplätze und Steilwände sprechen für Cospudener See

Nach dem zweiten – minder spektakulären – Tauchgang fahren wir zur Pension und erkunden sodann die Stadt. Beim Essen diskutieren wir, wo es morgen zum Tauchen hingehen soll. Keiner hat mehr Lust auf die Parkplatzsituation am Kulkwitzer See. Frank bringt den entscheidenden Tipp ins Spiel: Ihm wurde der Cospudener See empfohlen (zu diesem Zeitpunkt für alle noch schwer auszusprechen). Dort soll es einen schönen Unterwasserwald und imposante Steilwände geben.

Tag 2

Nach einem üppigen Frühstück wandern alle Tauchklamotten ins Auto und es geht los. 20 Minuten dauert die Fahrt. Schon sind wir da. Ein riesiger Parkplatz – man kann stehen, wo man will. Wir werden direkt von Basisleiter Lutz empfangen. Als Erstes bekommen wir Bollerwagen, damit wir die Ausrüstung nicht schleppen müssen, sowie einen für uns reservierten Platz auf der Wiese. Service und Freundlichkeit werden hier definitiv großgeschrieben. Sobald das Tauchgerödel auf der Wiese gelandet ist, führt uns Lutz herum und zeigt uns alles. Er bringt uns zum Einstieg, drückt uns Tauchkarten in die Hand – und die letzten Aufkleber der Tauchschule, da die Basis bald den Besitzer wechselt. Lutz erzählt uns, was es unter Wasser zu entdecken gibt.

Wellen statt Wald

Aus dem Wald und den Steilwänden wird allerdings nichts – es herrscht ordentlicher Wellengang auf dem See und das Boot kann nicht ausfahren. Für den ersten Tauchgang entscheiden wir uns daher für die „Standard-Tour“ in der eingegrenzten Region. Nach der Sprungschicht wird das Wasser glasklar. Wir erkunden alles: ein Boot, einen Rollator, ein Zirkuszelt mit abgetrennten Köpfen, Sitzgarnituren und allerlei Kurioses.
Taucher an einem versenkten Esstisch mit Stühlen unter Wasser
Die Mahlzeiten spielten eine tragende Rolle bei unserer Exkursion nach Leipzig. Selbst unter Wasser.
Nach dem Essen soll der „verbotene“ Tauchgang starten: unter dem Yachthafen. Auf einer Tiefe von zehn Metern tauchen wir den Hafen an. Sehr schwere, muschelbedeckte Ketten führen von den Ankern (massiven Betonblöcken) hoch zu den Piers. Zusammen mit dem leichten Nebel unter Wasser wirkt das Ganze wie die Kulisse eines Horrorfilms. Sehr beeindruckend! Beim Auftauchen folgen wir den Seilen ins flache Wasser und müssen feststellen, dass in den Laichkräutern gar nicht so viel Leben herrscht. Dafür stehen die Fische direkt am Ufer zwischen den Steinen im knietiefen Wasser: kleine Maränen. Wir sind fasziniert. Die Steine sind allerdings extrem rutschig. Eine Taucherin verliert den Halt und der Knöchel sieht danach nicht besonders gesund aus. Damit sind wir leider eine weniger für die nächsten Tauchgänge.
Zwei Taucher prüfen vor dem Tauchgang gemeinsam den Kurs am Kompass
Probe aufs Exempel: Stimmt der Kurs?

Alle satt

Am Abend geht es zum Essen. „Zum Ast“ heißt das Lokal. Was uns als Erstes auffällt: Viele Leute kommen mit riesigen Schachteln aus dem Restaurant. Essen außer Haus? Der Grund wird uns klar, als wir die Bestellungen am Nebentisch sehen. Schon mal einen ganzen Blumenkohlkopf mit der gleichen Menge Kartoffeln gesehen, der komplett unter einem riesigen Schnitzel begraben liegt? Das schafft doch keiner! Einige von uns müssen es am eigenen Leib erfahren: Das harmlos klingende Bauernfrühstück entpuppt sich als die Hälfte einer gigantischen Portion, gebacken in einer 30-cm-Pfanne und gut 12 cm hoch. Und das für eine Frau! Wir werden alle satt.

Tag 3

Die Tauchanzüge sind über Nacht getrocknet. Alles landet in den Tauchkisten und diese im Auto – auf geht’s zum dritten See: dem Geiseltalsee. Die Basis liegt mitten im Nirgendwo auf einer Halbinsel, die den See in zwei Teile trennt. Wir werden von Anja empfangen. Nach dem Ausfüllen von gefühlt 100 Formularen werfen wir einen Blick auf die Karte. Der Unterwasserwald, den wir sehen wollen, misst gewaltige zwei Kilometer mal 500 Meter und erstreckt sich von zwölf bis auf 40 Metern Tiefe. Wir wählen die goldene Mitte und entscheiden uns für den Tauchplatz „Regenwald“. Dieser liegt allerdings knapp 3,5 Kilometer von der Basis entfernt. Fußmarsch mit den Flaschen? Keine Option. Da die Halbinsel ein Naturschutzgebiet ist, dürfen wir sie nicht selbst befahren. Zum Glück gibt es einen Shuttle-Service: Drei umgebaute DHL-Wagen bringen die Taucher samt Equipment über die Waldwege zum Tauchplatz.

Wald oder Wäldchen?

Es fängt flach an: langsam runter bis zur Zehn-Meter-Kante. Da stehen die ersten Bäume. Das soll schon der Wald sein? Plötzlich tauchen wir unter die Sprungschicht – und da steht er. Einfach majestätisch! Stellt euch einen dichten Wald vor, denkt euch die Blätter weg und setzt stattdessen Muscheln an selbst die kleinsten Zweige. Glasklares Wasser auf 26 Metern Tiefe erlaubt einen umwerfenden Blick auf die Ausmaße dieses Waldes. Auf dem Boden zeichnen sich deutliche Pfade ab; hier könnte man tagelang tauchen. Der weiße Sedimentboden spiegelt das Licht und man sieht einfach alles. Leider geht unseren Monoflaschen langsam die Luft aus und wir müssen umkehren. Wieder im Trockenen packen wir den Gasgrill aus und grillen Rostbratwürste für alle. Dazu gibt es Salat und reichlich süßes Gebäck – für die einen als Stärkung vor dem zweiten Tauchgang, für die anderen vor der Heimfahrt.
Die Tauchgruppe am gedeckten Tisch mit Gasgrill am Seeufer
Wo auch immer sich die Sterntaucher einrichten, ist der Grill nicht weit.

Viel Fisch, wenig Wasser im Aquarium

Der zweite Tauchgang führt uns ins „Aquarium“ – der entfernteste Punkt auf der Karte, der als besonders fischreich gilt. Der Einstieg ins Wasser ist mitten im Schilf extrem matschig und liegt kurz vor einer Insel. Hier gibt es definitiv Fische: Unmengen an Rotfedern! Der Kanal zwischen den Inseln ist allerdings flach, gerade einmal zwei Meter. Zählt das überhaupt schon als Tauchgang? Zum Glück erreichen wir bald die Kante und tauchen im Wald um die Insel herum. Dieser Wald ist zwar nicht ganz so faszinierend wie der vorherige, aber immer noch sehr beeindruckend. Irgendwann biegen wir nach rechts ab, in der Hoffnung, die Insel komplett zu umrunden. Es wird flacher und noch flacher … Beim kurzen Auftauchen stellen wir fest, dass die Insel noch gut 100 Meter von uns entfernt liegt und wir mitten in einer Lagune stecken. Wir versuchen, uns nach vorne durchzuarbeiten – teilweise bei nur 0,6 Metern Tiefe, sodass die Flaschen garantiert aus dem Wasser ragen. Fisch viel, Wasser wenig. Teilweise müssen wir gar nicht schwimmen, sondern „laufen“ auf Händen über den Boden … Das Ziel erreichen wir völlig erschöpft, aber überglücklich – wir haben wirklich alles gesehen! Jetzt folgt nur noch der Heimweg: dreieinhalb Stunden Autobahn.

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